Des Buchlings Projektauszug: Die Plattenbausaga

Im Folgenden ein Ausschnitt aus der als Arbeitstitel liebevoll getauften „Plattenbausaga“, die ich vor ein oder zwei Jahren begonnen habe und immer wieder um ein paar Szenen erweitere. Sie erzählt die Abenteuer von Finn, der sich unglücklicherweise in einen deutschen Austrianer verliebt, und seinem mehr oder weniger queeren Freundeskreis mit seinen eigenen Schwierigkeiten in Wien. Aufgrunddessen hat gerade Roman im Folgenden einen recht prominenten Akzent, der allerdings hoffentlich dennoch zu verstehen ist. Die Plattenbausaga kann ein wenig als meine Hommage an die Stadt, die mich geboren und geformt hat, verstanden werden – mit all ihren Schwächen und Vorzügen.

(Bild: „Bodenschätze“ von julialametta)

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„Du musst ma helfen, de Miriam suchen“, sagte Roman.

Finn blinzelte. Ein Blick aus rot geränderten Augen auf die maliziös blinkende Uhr neben dem Bett verriet, dass es neun Uhr morgens war. Die Tatsache, dass er erst gegen halb sieben zum fröhlichen Vogelgezwitscher vor seinem Fenster – das dringend wieder einmal geputzt werden musste – eingeschlafen war, war Anlass für ein leidendes Stöhnen.

„Bist du deppert?“, fragte er und versuchte sich auf die andere Seite zu drehen. „Sicher nicht.“

„Oida, i brauch di, du bist intelligenter ois i“, sagte Roman und zerrte ihn mit seinen langen Armen sprichwörtlich aus dem Bett, sodass Finn unsanft auf den Boden fiel. „Ausse jetz‘.“

„Ich hasse dich“, verkündete Finn und rieb sich den Ellbogen. „Ich brauch‘ zumindest was in den Magen. Kaffee. Ich brauch‘ Kaffee.“

„Dann gemma Mäci“, verkündete Roman mit der Gleichmut eines römisch-katholischen Bischofs und kratzte sich an seinem rasierten Kinn. Mit der Strenge eines Feldmarschalls wachte er über Finns Bemühungen, sich in einen halbwegs sauberen Pullover zu zwängen und in dem liebevoll angerichteten Chaos seines Schlafzimmers eine Jeans zu finden. „Herst, bistas jetzt?“

„Eine Minute noch, mein Gott“, stöhnte Finn und tastete fahrig nach seinem Handy, das er mit sicherem Griff in seiner Hosentasche verstaute, um sich noch einmal durch die blonden Haare zu fahren, damit der Eindruck einer Frisur entstand. Roman war unerbittlich; sowie Finn den Finger vom Touchscreen genommen hatte, packte er ihn am Arm und schleifte ihn förmlich aus der Altbauwohnung. Immerhin durfte Finn noch abschließen. 

„Was ist denn jetzt überhaupt mit Miriam?“, erkundigte er sich und wünschte sich dabei insgeheim einen Schal herbei. Es war frisch an diesem Morgen; der Achtzehnte kleidete sich nach dem Vorbild der edlen Gesellschaft in einen dünnen Schal aus Nebelfetzen und wurde nur gelegentlich von einem sonnigen Lächeln erhellt. Wenig sonnig erhellt war das Gesicht von Frau Eybl, die ebenso faltig war wie der Dackel, den sie an der Leine führte, damit er in den Vorgarten des Altbaus urinieren konnte wie Finns Vater anno dazumal nach dem Sieg in Córdoba. Pfeilschnell wich Finn Hexe, Hund und Hinterlassenschaften aus und trabte Roman hinterher, der stur die Haltestelle des Achtunddreißigers ansteuerte.

„Oisn, pass auf“, sagte er und steckte die Hände in die Hosentaschen, „Do scheißt di wirklich o. I bin ma ziemlich sicher, dass de Miriam an ondern Hawara hot.“

„Ach was, die Miriam hat doch keinen anderen!“, erwiderte Finn verblüfft und schüttelte den Kopf. „Also nein, das glaub‘ ich nicht.“

„I hob da jo gsogt, do scheißt di o!“, sagte Roman und unterstrich den Ernst der Lage mit einem langsamen Nicken seines wuchtigen Schädels. In der Ferne rollte langsam wie das jüngste Gericht die Straßenbahn an. „Wenn i die Sau dawisch, hau i dem Oarsch mit Ohren ane rein, doss der den gonzn großen Bären vor Augn siacht.“

„Poetisch“, stellte Finn fest und wich einem Kinderwagen aus, der sich unter drohendem Geschrei aus der Straßenbahn schob, nur um keinen Moment später von Romans großer Pranke hineingedrückt zu werden. „Woher willst du das überhaupt so genau wissen? Habt’s ihr euch gestritten oder was?“ 

„Ja waßt eh wie des so is“, winkte Roman ab, „I hob’s nur gewagt, wos über ihren depperten Hühnerstoi von Weibern zu sogn- no mehr hob i net braucht! Der zwade Wötkrieg woar a Schaß dagegen! Die Oide is‘ wieder sofort vom Hundertsten ins Tausende kummen und hot Dinge aufgrollt, die scho a Ewigkeit her san! Do hob i natürlich gsogt, i brauch a bissl Abstand, gö, deswegen hob i mi gschlichn. I hob docht, de Oide wird mi spätestens aan Tag später oruafen!”

Manchmal, stellte Finn fest, war Romans Dialekt schlimm genug, um ihn hinterfragen zu lassen, ob sie tatsächlich noch dieselbe Sprache benutzten. “Hat sie aber nicht.”

“Na”, bestätigte Roman in jener typisch wienerischen, finalisierenden Art und Weise, die ein Auftakt zu größeren Enthüllungen war. Tatsächlich fügte er nach einem tiefen Einatmen durch seine beeindruckend großen Nasenlöcher hinzu: “I wett, die is mit dem Tschusch’n abg’haut.”

“Welcher Tschusch’ jetzt schon wieder?”, hakte Finn in ehrlicher Verwirrung nach und fragte sich, wo sie überhaupt aussteigen würden. “Wo fahren wir überhaupt hin?”

“Schottentor bis Volkstheater, dann gemma U3 bis Neubaugossn und dann noch a Stickl z’Fuaß”, sagte Roman, und dann: “Waaßt eh, der eine Tschusch, der ihr scho seit da Sechsten immer so verliabte Kuhaugen g’mocht hot und bei ihr um d’ Ecken wohnt. Oarschloch, bleedes.”

“Roman, der Hasan wohnt schon länger in Wien als du und hat im Gegensatz zu dir wenigstens immer einen Einser in Deutsch gehabt”, merkte Finn an. Sein Kampf gegen unnötige Verallgemeinerung und Alltagsdiskriminierung fand jedoch im Angesicht von Romans glühender Empörung keine Mitstreiter und wurde von einer wegwerfenden Geste ganz einfach beiseite gefegt.

“Is‘ ma wurscht”, sagte Roman entschieden und gewann so auf raffinierte Weise die Diskussion für sich. “Aber i bin ma sicher, der waß wos, der Wappler.”

“Na wenn du dir sicher bist…”, sagte Finn und rollte mit den Augen, folgte Roman jedoch aus der Straßenbahn hinaus zur U2-Station des Schottentors, das wie üblich gestopft voll war mit übermüdeten Studenten und anderen exotischen Spezies, die auf ihre Straßenbahnen warteten und dabei Gefahr liefen, aufgrund der mangelnden Absperrung dem Schicksal einiger unglücklicher Tauben zu folgen und auf den Schienen zerquetscht zu werden. Finn überließ Roman die meiste Arbeit und hielt sich in dessen Windschatten, denn wenn es eine Sache gab, in der Roman sich fähig erwies, dann war es, sich breitschultrig und asozial einen Weg durch Menschenmassen zu bahnen und dabei sowohl singende Augustin-Verkäufer als auch die üblichen gelangweilten Inder mit ihrem Zeitungsstand gnadenlos zu ignorieren. Von da an ging es nur noch bergab – erst wortwörtlich, als sie sich die Rolltreppe hinabdrängten, dann im metaphorischen Sinn, als die U3 in Richtung Ottakring bestiegen wurde. Das Ganze wurde begleitet von frohgemuten, farbenfrohen Beschreibungen Romans über all die grausamen Dinge, die er mit Hasan tun würde, wenn er “seinen dürren Hois” endlich in die Finger bekommen würde. 

Als sie ausstiegen und Roman schnurstracks in eine der kleineren Seitengassen einbog, war Finn beinahe schon froh, dass er vermutlich bald Zeuge einer Schlägerei werden würde; Roman tendierte zur Schweigsamkeit, wenn er Blut und Zähne einer feindlichen Partei fliegen ließ. Als sie sich Hasans Domizil näherten, wurde klar, dass Romans Verdacht nicht so abwegig gewesen war, wie es zuerst geschienen hatte.

Des Buchlings Selbstreflexion: Veränderungen

Mit dem nahenden Ende des Semesters möchte ich kurz vom Lernen für weitere Prüfungen prokrastinieren, um über persönliche Fortschritte, Entwicklungen und Veränderungen im letzten halben Jahr zu reflektieren. Es hat sich einiges getan und ab und zu lohnt sich meiner Meinung nach ein Blick zurück.

Was also ist neu?

  • Arbeit: Im Büro bin ich sattelfest geworden. Ich weiß, was ich kann und wo meine Stärken und Schwächen liegen. Im Umgang mit Gästen habe ich gelernt, durchsetzungsfähiger zu werden, aber auch, Menschen und ihre Bedürfnisse besser zu erspüren und eine Umgehensweise mit ihnen zu entwickeln. 
  • Praktikum: Zum Vorstellungsgespräch bin ich selbstsicherer als jemals zuvor gegangen. Dieser Moment hat mir gezeigt, dass ich mittlerweile gelernt habe, mich selbst und meine Vorzüge zu kennen und auch zu präsentieren, aber auch mit meinen Defiziten offen zu sein. Wenn ich nicht als Person punkten kann und mich verstellen muss, um den Posten zu bekommen, bringt es sowieso nichts. Glücklicherweise hatte ich mit Marion Fugléwicz-Bren, der Autorin der „Die Philosophen kommen„-Reihe, gleich eine gute Chemie und freue mich, in Zukunft mit ihr an spannenden Buchprojekten zu arbeiten. Ich werde hoffentlich viel über Self-Publishing und E-Books, Layoutgestaltung und Textbearbeitung sowie Marketing und Blogarbeit lernen, was mich meinem Traum von der Verlagsarbeit endlich wieder ein wenig näher bringt. 
  • Uni: Dieses Semester war vielleicht eines der lehrreichsten, das ich in meinen bisherigen fünf Jahren Uni (ich werde alt!) jemals hatte. Ich hatte einen Professor, der eine ganz eigene Art von Mensch war und es geschafft hat, mich absolut nach Höchstleistungen streben zu lassen, um zu zeigen, dass ich gut genug bin. Endlich war hier wieder jemand, der meinen akademischen und schriftstellerischen Ehrgeiz geweckt und angestachelt hat, aber der auch meinen Blick auf die Akademik selbst verändert hat: Sekundärquellen in allen Ehren, aber die Ideen müssen unverfälscht von einem selbst kommen, man sollte an Texte eigenständig herangehen. Meine Liebe zur Literatur ist wieder ganz neu geweckt worden. Aber auch etwas anderes Wichtiges habe ich gelernt: Dieses Semester habe ich begonnen, Russisch an der Slawistik zu lernen, nachdem mein Selbststudium ab einem gewissen Zeitpunkt zum Scheitern verurteilt war. Der Kurs war hart und unerbittlich, aber ich habe wirklich gute Einblicke und eine Basis, auf der ich nächstes  Semester weiter aufbauen kann, erhalten. 
  • Schriftstellerei: Seit Monaten habe ich wieder eine gute Idee zu einem eigenen Prosaroman, die ich jetzt seit einigen Wochen mehr oder weniger gemächlich verfolge. Zuvor habe ich versucht, mich in die Arbeit an einer historischen Fanfic zu stürzen, aber diese hat bald den Punkt erreicht, wo sie mehr Recherchearbeit erforderte, als ich unter dem Semester aufbieten konnte. Hoffentlich werde ich im Sommer mehr Gelegenheit dazu haben, daran weiterzuarbeiten. Außerdem habe ich endlich mal wieder etwas publiziert, worüber hier schon berichtet wurde. Generell habe ich nach längerer Flaute wieder an mehreren Wettbewerben teilgenommen und beabsichtige, das auch weiterhin zu machen. 
  • Privates: Meine Wohnsituation ist dabei, sich bedeutend zu verändern und ich bin dankbar dafür, weil ich glaube, dass die zukünftige Wohnsituation mit meiner Liebsten sehr erfüllend sein wird. Ansonsten gibt es kaum Drama in meinem Privatleben, was mich unendlich erleichtert. 

Natürlich gibt es immer noch viel Entwicklungspotenzial. In den folgenden Tagen werde ich ein bisschen über meine Sommerpläne und geplante Projekte posten, besonders nachdem ja im Juli wieder das Camp NaNo wieder ansteht.

Bis dahin: Bleibt gesund und cremt euch zum Schutz gegen die Sonne gut ein!

(Bild: Dreams von Aziz Acharki)

Des Buchlings Zwischenupdate

Zwei kleine Veränderungen habe ich nach einiger Zeit mal wieder an diesem Blog vorgenommen:

  • Ein neues Profilbild! Macht ein bisschen mehr her als das alte und außerdem entspricht die Farbgebung mehr diesem Blog, weil blau. Außerdem yay Blumenkronen!
  • Eine neue Seite mit dem schönen Titel „Publikationen“. Hier kann man jetzt meine bisherigen und zukünftigen Publikationen finden, sollten diese online zu erwerben sein, werde ich hier auch entsprechend dazu verlinken. 

Des Buchlings Literaturkritik: Haruki Murakamis „Birthday Girl“

Die Kurzgeschichte „Birthday Girl“ wurde von Haruki Murakami verfasst und erschien im Jahr 2002, die deutsche Übersetzung erschien im Jahr 2017. Sie handelt von einem zwanzigjährigen Mädchen, das auch an seinem Geburtstag als Kellnerin arbeiten muss und dann unter ungewöhnlichen Umständen einen Wunsch frei bekommt.

In der zeitgenössischen Literaturkritik wurde der Text von der europäischen Literaturkritik bisher nur wenig rezensiert, jedoch kann dies möglicherweise auch daran liegen, dass die Übersetzungen in europäische Sprachen erst in den letzten Jahren erschienen sind. Das ist insbesondere deswegen verblüffend und schade, weil Murakami mit dieser Kurzgeschichte seinen geschickten Umgang mit dem Genre der Kurzgeschichte beweist. Er verwendet dabei viele typische Merkmale einer klassischen Kurzgeschichte – ein abrupter Einstieg, ein offenes Ende, eine im Zentrum stehende ungewöhnliche Begebenheit – und erschafft aus diesen Komponenten ein modernes Märchen, das nichts von den Eigenschaften der Kurzgeschichte einbüßt.

Auffallend ist die etwas ungewöhnliche Erzählform, in der der Text gehalten ist, denn es wird zwischen einer dritten Erzählerperspektive aus der Sicht der jungen Frau und einer Ich-Perspektive von jemandem – möglicherweise dem Autor selber –, der mit der jungen Frau über das Erlebnis spricht. Diese Abwechslung von Sichtperspektiven verleiht dem Text eine ganz besondere Dynamik und bewirkt, dass sich das Erlebnis der jungen Frau trotz seiner surrealistischen Komponente wie eine tatsächliche Begebenheit anfühlt. Die Anzahl der Charaktere hält sich in einem überschaubaren Rahmen und die junge Frau steht eindeutig im Mittelpunkt. Neben ihr gibt es noch eine Kollegin, deren Rolle innerhalb der Erzählung allerdings vor allem durch ihre Abwesenheit bedeutsam ist, den Geschäftsleiter, der vor allem durch seine Bauchschmerzen und seine immerwährende Pünktlichkeit in Erinnerung bleibt, den geheimnisvollen Geschäftsinhaber und den Ich-Erzähler, der sich gegen Ende der Kurzgeschichte mit der jungen Frau über ihr Erlebnis unterhält.

Der geheimnisvolle Geschäftsinhaber, der niemals aus seinem Hotelzimmer herauszukommen scheint und doch so viel Wert auf sein Aussehen legt, ist das surreale Element der Kurzgeschichte. Er wirkt wie eine Märchenfigur in einem sehr modernen Tokioer Schauplatz. Auffallend ist die Art und Weise, wie er mit der jungen Frau spricht: Er verwendet viele Wiederholungen und kurze Sätze sowie übertrieben höfliche Floskeln wie beispielsweise „wie Sie wünschen“, als ob er es nicht richtig gewohnt wäre, mit anderen Menschen zu kommunizieren. Seine Sprechweise ist so ungewöhnlich, dass es sogar der jungen Frau selbst auffällt. Mit der Überschreitung der Schwelle in sein Zimmer scheint die junge Frau auch die Schwelle zwischen zwei Welten zu überschreiten, denn es ist recht sicher anzunehmen, dass der Geschäftsinhaber trotz seines menschlichen Aussehens nicht von dieser Welt ist. Indizien dafür sind die Erfüllung eines einzigen Wunsches, die Abkapselung von der Welt in einem für andere allgemein nicht zu betretenden Raum und die Tatsache, dass die junge Frau nach der Begebenheit das starke Gefühl hat, sich von dem Restaurant und Hotelzimmer fernhalten zu müssen, wie es nicht unüblich für Feengeschichten ist.

Der oder die Leser_in erfährt bis zuletzt nicht, was für einen Wunsch die junge Frau geäußert hat oder ob sie ihn jemals bereut hat, man kann nur Vermutungen anstellen. Ein Indiz dafür, dass manche Wünsche vielleicht nicht immer so in Erfüllung gehen, wie man sich das vorgestellt hat, ist das Symbol des Schattens, das Murakami fast beiläufig verwendet. Der Geschäftsinhaber wünscht der jungen Frau ein Leben, auf das nie ein dunkler Schatten fallen möge, doch als der Ich-Erzähler sie fragt, ob sie ihren Wunsch jemals bereut hat, umspielt der Schatten eines müden Lächelns ihre Lippen. Nun kann dies auch nur ein Zufall sein, jedoch ist es bei einem Autor wie Murakami, der jedes Wort mit Sorgfalt setzt, eher unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist, dass dies ein Hinweis auf die Antwort zu den Fragen des Ich-Erzählers ist. So oder so bewirkt Murakamis subtile Erzählweise, die mehr Fragen offen lässt als sie zu beantworten, dass man sich als Leser_in intensiv mit dem Text und seiner Bedeutung auseinandersetzt und zu deuten versucht.

„Birthday Girl“ von Haruki Murakami ist eine ungewöhnliche Erzählung, die es vermag, Leser_innen zu fesseln und zu erstaunen. Die zarte, feinfühlige Sprache, mit der Murakami dabei sein Netz webt, trägt viel zu dem Zauber der Kurzgeschichte bei.

  • Die von mir gelesene Ausgabe in der deutschen Übersetzung von Ursula Gräfe kann beim Dumont Verlag als eBook oder Hardcover-Ausgabe mit wirklich prachtvollen Illustrationen von Kat Menschik erworben werden.

Schreiblust, wo bist du? Oder: Confessions of a Schreiberling

Es passiert mir nicht oft, aber momentan ist es wieder einmal soweit: Jene seltsame Anwandlung hat mich ergriffen, dass ich das Gefühl habe, nichts von Wert erschaffen zu können. Was immer ich schreibe, es wirkt mir nicht wie etwas, das ich wirklich der Welt präsentieren kann – es wirkt entweder inhaltslos und hohl, oder mir gefällt die Ästhetik davon nicht. Ja, nachdem mir die Sprache selber ein großes Anliegen ist, kann es mich auch bei gutem, solidem Inhalt sehr unbefriedigt lassen, wenn es in meinen Augen nicht schön genug ausgedrückt ist. Dieser momentane Status macht mich wahnsinnig frustriert.

Noch dazu kommt, dass ich das Camp NaNo diesmal nicht nur nicht geschafft, sondern gerade mal die Hälfte von meinem gesetzten Ziel erreicht habe. Das wäre an und für sich auch okay, aber es ist wirklich nichts Substanzielles dabei herausgekommen und das ärgert mich. Alles wirkt wie hohles Blabla. Kann ich es wirklich nicht besser? Dieser Zustand beeinflusst nicht nur meine Laune, sondern meine ganze seelische Verfassung. Momentan habe ich das Gefühl, als würden die Anforderungen der Welt meine Kunst ersticken und ich würde meine Prioritäten falsch setzen. Ich muss daran arbeiten und zwar schnell, denn dieser Zustand weiterhin so anhält, werde ich noch verrückt.

Zeit zum Zeltaufschlagen! Oder: Confessions of a Schreiberling

Nachdem mit dem 1. April wieder Camp NaNo beginnt und mir das bisschen Freizeit, das Uni und Arbeit mir zugestehen, rauben wird, möchte ich die Gelegenheit nutzen und ein wenig von dem Projekt erzählen, das mich diesmal hauptsächlich beschäftigen wird. Zwar werde ich auch ein paar kürzere Texte verfassen – darunter zum Beispiel ein Essay mit 4.000 Wörtern -, aber nachdem diese nicht ganz so interessant sind, lasse ich sie erst einmal außen vor und schiebe irgendwann im April vielleicht eine kurze Info über den Stand der Dinge ein.

Wie bei jedem Camp NaNo ist es auch diesmal wieder mein Ziel, 30.000 Wörter zu schreiben. Das hat den Grund, dass ich festgestellt habe, dass 1.000 Wörter pro Tag allgemein gut zu schaffen sind und ich dennoch produktiv produzieren kann, ohne dabei gleich in Zeitstress zu kommen wie es bei jedem NaNoWriMo der Fall ist.

Das Projekt, das ich also verstärkt anpacken werde, trägt bisher den Arbeitstitel „Love In Times Of War And Peace„, womit geschulten Leser_innen wahrscheinlich auch schnell klar sein wird, dass ich von russischen Romanen des 19. Jahrhunderts beeinflusst wurde, deren Geist ich auch eizufangen versuchen werde. Tatsächlich beginnt die Handlung aber im 20. Jahrhundert, nämlich dem Jahr 1904. Das zaristische Russland steht kurz vor dem Krieg mit Japan. In diesen turbulenten Zeiten trifft ein junger Übersetzer zusammen mit seinem Vater, einem japanischen Botschafter, für diplomatische Verhandlungen in St. Petersburg ein. Dass er genau hier und jetzt große Gefühle nach der Bekanntschaft mit einem überaus charismatischen Militärsmann in sich erwachen fühlt, bringt ebenso viel Liebe wie Leid über alle Beteiligten.

Russland im 20. Jahrhundert und queere Protagonisten, geht das überhaupt zusammen? Nun, ich persönlich bin sehr, sehr sicher, dass es auch damals schon queere Menschen gegeben hat. :p Leider sind solche Handlungen in historischen Romanen recht selten, was ich schade finde, aber zum Anlass genommen habe, zwei meiner Interessen miteinander zu verbinden. Ich schreibe das Projekt auf englisch und momentan umfasst es fünf Kapitel, also insgesamt etwa 15.585 Wörter, Tendenz steigend. Es geht ein wenig langsamer voran, weil ich mich um penible Recherche bemühe, um möglichst detailgetreu den Geist der Zeit einfangen zu können. Meiner Meinung nach ist das durchaus lohnenswert.

Wie sieht es mit euch aus? Findet ihr das Projekt interessant? Findet ihr queere Beziehungen in historischen Romanen interessant?

Schreibwettbewerb: Kemet

Soeben bin ich mit meinem Beitrag für den Wettbewerb „Kemet“ des Art Skript Phantastik Verlages fertig geworden. Obwohl mich das Thema – die ägyptischen Götter erwachen in der Neuzeit und müssen sich in einer befremdlichen neuen Welt zurechtfinden – sofort angesprochen hat, fiel es mir bisher schwer, meine vage Idee dafür in Worte zu fassen. Nun aber habe ich mein ursprüngliches Formkonzept – nicht die Idee! – komplett gekippt und einen neuen Schreibweg eingeschlagen, der sich mehr auf Atmosphäre als auf konkrete Handlung konzentriert, was meinen Vorstellungen für die Kurzgeschichte sehr viel näher kommt. Ob es den Damen und Herren der Jury auch gefallen wird, wird sich noch zeigen.

Neugierig geworden? Leider lässt sich bis zur (möglichen) Veröffentlichung nur so viel sagen: Für meinen Text habe ich mir zwei Göttinnen herausgesucht, die jede in ihrer Form mit vierbeinigen, flauschigen Raubtieren zusammenhängt…

Willst du dein Glück selbst versuchen? Der Einsendeschluss ist bis 31. Mai 2017 verlängert worden und der Verlag bietet noch zwei andere Wettbewerbe, nämlich zum Thema „Absinth – Geschichten im Rausch der Grünen Fee“ und „Steampunk Akte Asien„, die ebenfalls beide bis zum 31. Mai 2017 verlängert worden sind.

(Beitragsbild Copyright by Art Skript Phantastik)