Confessions of a Schreiberling: NaNo 2017 Rückblick

Okay, also mit den regelmäßigen Updates zu den „Knochenblumen“ ist es ja nichts geworden, aber das hatte immerhin seine Gründe. Dennoch sei im Folgenden noch ein wenig reflektiert und aus dem Nähkästchen geplaudert!

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Des Buchlings Eventkalender: Meine fünf Minuten Ruhm mit Thomas Brezina

Gestern habe ich mir trotz Referat am folgenden Morgen die Nacht um die Ohren geschlagen, um Thomas Brezinas Lesung seines neu erschienenen Romans „Alte Geister ruhen unsanft“ beizuwohnen. Und was soll ich sagen: der alte Meister meiner Kindheit hat nicht enttäuscht.

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Projektauszug: Knochenblumen welken nicht

Als Aurelia durch ihre Finger blinzelte, sah sie, dass Meister Marius von oben bis unten mit Blut und sonstigen glitschigen Spritzern, die Aurelia nicht genauer definieren wollte, eingedeckt war und gerade die Säge mit einem Tuch sorgfältig sauber wischte. Sein Atem ging schwer wie nach einem meterlangen Gewaltmarsch und er wischte sich mit einer ungeduldigen Geste den Schweiß von der Stirn. Einer der Köpfe war von ihm von Nase bis Hinterkopf auseinandergesägt worden und klaffte nun vor ihm auf wie ein aufgeklapptes Buch. Aurelia konnte in dem verklumpten, fleischig-nassen Innenleben nur wenig außer den Zähnen und den harten, von zähem, totem Blut rosig gefärbten Knochen erkennen. Der Anblick berührte erneut etwas in ihr, das noch rau und unverheilt war und ihr einen Schlag nach dem anderen versetzte, aber gleichzeitig – gleichzeitig fand sie sich fasziniert davon.

„Da hast du es, Bob“, sagte Meister Marius anklagend in Richtung des Untoten, der sich die Hände in einer geradezu jammervollen Geste an den Kopf legte und sich schuldbewusst ein wenig hin und her wiegte. „Das alles nur, damit du vielleicht irgendwann herumquäken kannst. Dann lass uns mal sehen, was wir hier haben.“ Erneut stach er sich mit einer Nadel in den Daumen, diesmal etwas tiefer als zuvor, sodass mehrere Tropfen auf den vollständigen Schädel neben dem zersägten fielen. „Sprich: Wir folgen dir, Herrin, denn nur die Nacht kann unsere Seele retten. In den Tiefen der Nacht wird die Herrin mir erscheinen, und in den Schatten ihres Mantels wird sie mich hüllen. Auf ihr Kleid fallen die Sterne und in der Beuge ihres Armes schläft der Mond.“ Limisch, realisierte Aurelia, Meister Marius sprach Limisch fließend, fast zärtlich.

Der Schädel begann zu wispern.

(Kapitel 13)

Täglicher Word Count: 2.130

Meine Schreibgeschwindigkeit hat sich mittlerweile verringert, aber so ungefähr bei 2.000 eingependelt. Aus diesem Grund habe ich heute auch die 20.000-Wörter-Marke überschritten. Wohoo!

Außerdem habe ich:

  • Die NaNo-Wien-Community am Discord-Server und zwei sehr liebe Bekannte in medizinischer Ausbildung gefragt, wie man denn am Besten einen Kopf aufschneiden würde, wenn man den Sprechapparat untersuchen will
  • zufrieden festgestellt, dass ich in die Richtung gar nicht so falsch geraten habe und ein Sagittalschnitt das Beste wäre
  • mir mehr Gedanken zu alten und neuen Sprachen fürs Worldbuilding gemacht
  • überlegt, Aurelias Namen in Aurora umzuwandeln (worüber ich immer noch grüble)
  • starke Zweifel daran gehabt, ob ich überhaupt genug Plot habe und es auch nur irgendwen interessieren wird, wenn die Story weiterhin charakterzentriert bleibt, bis mir ein sehr vernünftiger Mitschreiberling „Is‘ dein Projekt, wenn die Charaktere interessant genug sind wird man‘s schon lesen“ mitgeteilt hat
  • meine Projekt-Playlist erweitert, die man hier finden kann.

Alles in allem bin ich mehr als nur sehr gut unterwegs und freue mich schon drauf, das nächste Kapitel in Angriff zu nehmen.

Projektauszug: Knochenblumen welken nicht

„Humbug, die ganze Teeblattkacke“, sagte eine Stimme vom Türrahmen. Marvin sprang vom Regal und wand sich um Meister Marius‘ linken Fuß, als dieser dunkel gewandet und mit nach hinten gebundenen Haaren in die Küche stiefelte, um sich Kaffee aufzusetzen. „Das ist wahrscheinlich die unpräziseste Art, in die Zukunft zu sehen, die es gibt, und das weißt du auch. Mehr als ein Partytrick ist das sicher nicht, so schwach, dass es sogar die Vulgari nachahmen.“

„Guten Morgen auch dir“, erwiderte Savannah mit strahlendem Lächeln und schien sich von der Beleidiung nicht im geringsten getroffen zu fühlen, während Aywyn mit empört blitzenden Augen aufblickte. „Wir versuchen gerade Aurelias Disziplin herauszufinden.“

„Humbug“, wiederholte Meister Marius und wartete gar nicht darauf, dass der Kaffee ordentlich fertig wurde, sondern entriss ihn der Maschine und stürzte eine halbe Tasse samt Kaffeesatz herunter. Unter seinen Augen lagen tiefe blauviolette Schatten, die ihm etwas Geisterhaftes verliehen. Mit einer abwesenden Geste tätschelte er Marvin den knöchernen Kopf und hob ihn auf seine Schulter. „Ich muss für ein oder zwei Stunden ins Magiestrat, hoffentlich nicht länger. Die blöden, arroganten Kackhaufen dort können mir gestohlen bleiben.“

(Kapitel 11)

Und weil ich so brav war und euch die ganzen letzten Tage nicht gequält habe, hier noch ein Auszug:

Kilians Vorgarten, so erkannte Aurelia durch die dünnen Stäbe seines Gartentors, unterschied sich sehr deutlich von Meister Marius‘ Vorgarten. Die Unterschiede begannen mit den üppig wuchernden, grünen Hecken, die nur längs des Zauns zu Meister Marius sorgfältig getrimmt waren und ansonsten mit kleinen, bunten Blüten explodierten. Das Gras der Wiese raschelte unbeschnitten in der leichten Brise, die auch die um das Haus gepflanzten Sonnenblumen umspielte. In dem mächtigen Apfelbaum, der in einer Ecke des Vorgartens stand, zwitscherten eine Vielzahl an bunt gefiederten Vögeln und Aurelia konnte ein Eichhörnchen am Baumstamm entlang huschen sehen. Hinter dem Haus kam ein Reh mit unnatürlich goldenen Augen und rotem Fell hervorgestakst und blieb im Schatten der Äste stehen, um sie reglos anzustarren. Es war ein absolutes Bild der Idylle, dachte Aurelia unwillkürlich und lächelte.

„Widerwärtig“, murmelte Meister Marius und klingelte.

Es dauerte einen Moment, dann schwang die blaue Haustüre auf und Kilian schob sich heraus. Sein massiger Körper bahnte sich mühelos einen Weg durch die wogenden Halme und er öffnete mit einem Lächeln das Gartentor. Meister Marius starrte ihn verdrossen unter seiner Kapuze hervor an und schob Aurelia entschieden vor sich.

„Hier“, sagte er, bevor Kilian den Mund zu einer Begüßung oder irgendeinem Kommentar öffnen konnte, „Nimm sie und bring‘ ihr was Sinnvolles bei. Wenn sie heute Abend komplett fertig heimkommt und irgendwas davon faselt, dass sie einen Baum knutschen will – untote Holzwürmer, untote Holzwürmer überall. Du wurdest gewarnt.“

(Kapitel 12)

LOOK AT THIS:

Ich bin sehr stolz auf mich selbst. So einen guten Start hatte ich in all den Jahren seit 2014, wo ich begonnen habe, noch nicht.

Projektauszug: Knochenblumen welken nicht

„Aurelia“, sagte er abrupt und zusammenhanglos, weil die Nacht kalt war und alles andere ferngehalten werden musste, weil er nicht in Erinnerungen abdriften durfte, aber ihnen auch nicht fernbleiben konnte. Beneidenswert waren die Futuricae, die so einfach und gedankenlos die Vergangenheit hinter sich lassen und nach vorne schreiten konnten. Er war schon einmal an einem dünnen Grad entlang balanciert und in den Abgrund gefallen; nur ein Wunder hatte bewirkt, dass er sich im letzten Moment noch einmal daraus herausziehen konnte. Nicht man selbst zu sein war ein schlimmeres Schicksal als der Tod. „Irgendwann wirst du wissen, wer du bist. Du wirst die Welt gesehen haben, und all die Dinge, die sie dir anbietet. Du wirst mit Leuten gesprochen haben, die für einen Moment versucht haben, ihren Kosmos mit dir zu teilen. Vielleicht wirst du Glück haben und ab und zu empfinden, dass du jemandem nahe gekommen bist – dass du jemanden wirklich verstehst und man dich im Gegenzug auch versteht…. Und manche Dinge werden dich nicht mehr verlassen. Du wirst sie mit dir schleppen, bis du den Verstand verlierst und darüber hinaus.“

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Projektauszug: Knochenblumen welken nicht

Mittlerweile hatte sich die Nacht über das Stadtviertel gesenkt und griff mit ihren samtenen Fingern auch in die tiefsten Straßen. An den Wegen flammten die Straßenlaternen auf, die sich überall in der Stadt fanden, aber ihr kaltes Licht erschien anders als in dem Bezirk, in dem Aurelia aufgewachsen war, zwischen den ebenfalls aufleuchtenden Fackeln in den Hausgärten fast fehl am Platz. Vor ihnen war ein hell erleuchtetes Gebäude aufgetaucht, dessen Dachschindeln im flackernden Licht der Flammen grün glänzten. Hinter den Buntglasfenstern in symmetrischen Mustern konnte Aurelia einige Schemen wahrnehmen; als jemand aus der Türe stolperte, ergoss sich ein Schwall an Geräuschen über die Straße – lachende, durcheinander rufende Leute, der Klang eines Tamburins und einer kräftigen, dunkel gefärbten Stimme, die dazu sang, das Klirren von Gläsern. Aurelia spürte, wie die Müdigkeit von ihr abfiel, je näher sie dem Gasthaus kam, über dessen Eingang ein Schild mit einer goldenen Trompete baumelte. Sie hatte Tavernen immer schon gerne gehabt.

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